Einmal ist keinmal. Unter diesem leichtfüßigen Motto mag sich der eine oder andere verführte Mensch schon mal dem Gebrauch psychotroper Substanzen hingegeben haben. Doch die neurochemische Realität kann durchaus anders aussehen, wie eine wissenschaftliche Untersuchung von der U.S. amerikanischen Johns Hopkins Universität in Baltimore jüngst ergeben hat. Denn gerade bei Halluzinogenen kann schon der allererste Konsum die Persönlichkeit des experimentierfreudigen Benutzers für die nächsten Monate bis Jahre überdauernd verändern. Ob man diesen tiefen und grundlegenden Eingriff in die eigene Psyche nun herzlich willkommen heißt, oder aber als ganz persönlichen Albtraum betrachtet, mag Ansichtssache sein. Die forschenden Pharmaunternehmen haben jedenfalls jetzt schon sehr interessante Denkfiguren dazu entwickelt, wie man die neuen Befunde der Forscher aus Baltimore zur Behandlung von Krebs und in der Raucherentwöhnungstherapie sinnvoll instrumentalisieren könnte.
Was zaubern Zauberpilze?
Wer sich für Drogen interessiert, die das Bewusstsein verändern, dem sind "Magic Mushrooms" mit Sicherheit ein Begriff. Denn diese halluzinogenen Pilze enthalten die beiden psychoaktiven Wirkstoffe Psilocybin und Psilocin. Diese Substanzen haben auf das Empfinden und Erleben eine Wirkung, die mit jener von LSD verglichen werden kann. Als einzigen Unterschied mag der Anwender wahrnehmen, dass der akute "Zauberpilzrausch" nicht so lange währt, wie ein LSD-Trip. In Mitteleuropa wird für das Pilzgericht der psychedelischen Art gerne der "Spitzkegelige Kahlkopf" hergenommen, den man mit dem entsprechenden optischen Beuteschema sogar auf friedlichen Weiden finden kann.
Powerpilze für die psychologische Forschung
Wahrscheinlich musste das amerikanische Wissenschaftlerteam nicht lange suchen, um die insgesamt 51 Freiwilligen zusammenzubekommen, an denen die Studien durchgeführt werden sollten. Schließlich hat man als Testperson nicht oft die Gelegenheit, völlig legal und im geschützten akademischen Rahmen eine hoch offizielle Drogensitzung abzuhalten. Allerdings hatten die Versuchsteilnehmer dabei keinen Einfluss auf die Höhe der Dosierung des Psilocybins. Es wurde ihnen noch nicht einmal mitgeteilt, welche Mengen an Halluzinogen sie da gerade im Dienste der Wissenschaft eingeworfen hatten. Schließlich wollten die Forscher sich ihre Befunde nicht durch einen Versuchsleiter-Effekt verderben lassen. So konsumierten die Probanden munter, aber unaufgeklärt vor sich hin, während geschulte Beobachter minutiös protokollierten und dokumentierten. Die wiederholte Durchführung eines standardisierten Persönlichkeitstests sollte zusätzliche Erkenntnisse bringen. Die Untersuchung war als Langzeitbeobachtungsstudie über einen Zeitraum von 14 Monaten angelegt.
Einmal kann für lange sein
Die Auswertung des umfangreichen Datenmaterials führte zu eindeutigen Ergebnissen: Ist die eingenommene Dosis an Psilocybin nur hoch genug, dann kann auch eine einmalige Drogensitzung eine überdauernde Persönlichkeitsveränderung bewirken. Von jenen Testpersonen, die - wohlgemerkt ohne ihr Wissen - psilocybinmäßig im Versuchslabor gut dabei waren, zeigten erstaunliche 60% auch nach 14 Monaten noch eine messbare Wesensveränderung. Die Droge hatte das Imaginationsvermögen, das ästhetische Empfinden, das Gefühlserleben sowie Toleranz und Aufgeschlossenheit nachhaltig intensiviert.
Das ist doch eigentlich sehr positiv, oder?
Schon. Aber nur dann, wenn die Drogensitzung ärztlich überwacht und schützend begleitet wird. Insoweit wird von unkontrollierten Selbstversuchen, die zu Horrortrips mutieren könnten, dringend abgeraten. In der Hand eines verantwortungsvollen Mediziners könnten Psilocybin-Präparate jedoch Krebspatienten dabei helfen, ihre krankheitsbedingten Gemütsverfinsterungen wirksam zu bewältigen. Und wer das Rauchen seinlassen will, der könnte mit der kontrollierten Kraft der Zauberpilze vom Joch der Nikotinsucht leichter loskommen.
-Carina Collany-

Vor illegalen Drogen kann man gar nicht genug warnen. Habt ihr schon gesehen, was da gerade unter dem Namen "Croc" aus Russland rübergeschwappt kommt? Der blanke Horror!
AntwortenLöschenFinger weg um Himmels Willen!!!
Nur mal gut, dass Kodein hierzulande rezeptpflichtig ist ...
AntwortenLöschenAuch scheinbar harmlos wirkende, weil erst mal frei verkäufliche "Kräutermischungen" oder "Badezusätze" können sehr gefährlich sein, wenn man sie absichtsvoll missbraucht. Darum wollen die deutschen Politiker jetzt sogar das Betäubungsmittelgesetz ändern, damit entsprechende Verbote dieser gemeingefährlichen Mimikri-Drogen schneller und effizienter ausgesprochen werden können.
AntwortenLöschenNa gut - dann ist das Teufelszeug halt illegal. Noch besser wäre es, der ganze Dreck würde gar nicht erst in den Verkauf kommen.
Meine Meinung.