Montag, 31. Oktober 2011

BEISPIEL-BLOGTEXT: Die Beschwerdeliste unzufriedener Ärzte


Das Klagelied jener Patienten, die sich von ihrem Arzt nicht gut behandelt und noch weniger gut verstanden fühlen, hat viele traurige Strophen. Das fängt bei dem Vorwurf an, dass der Halbgott in Weiß ausschließlich in fachchinesischen Zungen spricht, und das in höchst herablassender Form. Dann wäre da auch noch die viele Zeit, die sich der Doktor für seine Patienten oftmals nicht nimmt. Und von Kunstfehlern, die mit einer phantasievollen Professionalität vertuscht werden, die man sich eigentlich für den Behandlungsplan gewünscht hätte, wollen wir hier gar nicht erst anfangen. Jetzt haben die beschimpften Ärzte allerdings sehr konkret zurückgeschlagen - und ihrerseits aufgelistet, was sie an ihren Patienten regelmäßig zur Weißglut treibt. Diese nur allzu wahre Beschwerdeliste sollte sich jeder zu Herzen nehmen, der demnächst zum Arzt geht. 



Mangelnde Compliance bei Medikamenten - Eine bittere Pille, die Patienten ihrem Arzt verordnen

Wer zum Arzt geht, ist krank, ist um seine Gesundheit besorgt, oder hat Schmerzen. Da sollte man doch eigentlich meinen, dass die Anordnungen des Spezialisten, dem man sich ja freiwillig anvertraut hat, befolgt werden. Schließlich hat dieser Mensch Medizin studiert, und anschließend sein heilkundliches Können in den Dienst der Allgemeinheit gestellt. Doch in vielen Fällen tut der Patient das genaue Gegenteil dessen, was der Arzt als Therapie vorschlägt. Oft haben die Mediziner da auch mit einem passiv aggressiven Widerstand zu kämpfen, der sie manchmal kopfschüttelnd fragen lässt: Warum ist dieser Leidende überhaupt zu mir gekommen, wenn er dann doch nicht macht, was ich sage?

Um dieses Paradoxon beispielhaft zu beschreiben, bietet sich der "übliche" Umgang des Patienten mit den ärztlichen Medikamentenempfehlungen an. Hier also nun die durchaus zu Recht geführten drei häufigsten Beschwerden niedergelassener Ärzte:

- Der Patient nimmt das Rezept zwar entgegen, wird aber nie in der Apotheke vorstellig, um sich seine verordnete Medizin tatsächlich abzuholen. Das Rezept wird dann zur Makulatur im Altpapiercontainer.

- Selbst dann, wenn der Patient sein Rezept in der Apotheke einlöst, bedeutet das noch lange nicht, dass er seine Medizin auch nimmt. Viele Leute machen noch nicht mal die Packung auf, bevor sie das Präparat verächtlich und "uneingenommen" in die Tonne treten.

- Der Arzt hat sehr genaue Anweisungen dazu gegeben, wie das Medikament eingenommen werden muss. Nicht mit Milch, nicht mit Pampelmusensaft, nicht mit Alkohol, nicht auf nüchternen Magen, nicht vor dem Abend, mindestens eine Woche lang - was auch immer. Diese Anweisungen sind wichtig, weil sonst die gesamte Pharmakokinetik nebst ihrer ganzen fachlichen Wissenschaftsverwandtschaft ins Wanken kommt. Und was macht der Patient? Er schert sich nicht darum und schluckt die Arznei gerade so, wie er es selbst für richtig hält. Was auch bedeutet, dass die bei vielen Medikamenten wichtige Regelmäßigkeit und Dauer der Einnahme keinerlei Beachtung findet. Die blöde kleine weiße Pille mal vergessen - na und? Nimmt man halt beim nächsten Mal die doppelte Menge, falls man noch dran denkt. Oder auch nicht. Wie es gerade daherkommt.

Es ist wirklich kein Wunder, wenn bei so einer offenen Verweigerungshaltung jegliches ärztliche Bemühen zum Scheitern verurteilt ist. Von dem enormen volkswirtschaftlichen Schaden, der durch verschwendete Medikamente entsteht, ganz zu schweigen.

-Carina Collany-

1 Kommentare:

  1. Da ist sicher was Wahres dran. Aber trotzdem: Nicht jede Medikamentenverordnung ist sinnvoll oder notwendig. Dazu kann man auch mal hier reinlesen:

    http://www.patienten-verband.de/gesundheits-politik/gigantischer-patientenbetrug-durch-verschwendung.html

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