Den Nobel-Preis kennt wohl jeder. Das ist jene hoch dotierte und hoch angesehene ehrenvolle Auszeichnung, auf die Wissenschaftler, Künstler und Friedensstifter in der ganzen Welt zum Teil ihr ganzes Leben lang hinarbeiten. Allerdings hat der würdevolle Nobel-Preis auch einen frechen kleinen Bruder, dem der Schalk faustdick im Nacken sitzt. Aus diesem Grund wird er auch schon mal als Anti-Nobel-Preis bezeichnet, obwohl der offizielle Name "Ig-Nobel-Preis" lautet. Dabei steht das Kürzel "Ig" für das französischenglische Kunstwort "ignoble", was so viel wie "unwürdig" und "voller Schmach und Schande" bedeuten soll. Humorvollen Lesern ist es jetzt sicher schon aufgefallen, dass sich der Ig-Nobel-Preis als satirischer Gegenpol zu einer allzu hochtrabend und stockkonservativ zelebrierten Autoritätsweihe versteht. Entsprechend erheiternd sind die preisgekrönten "Forschungsergebnisse", die auch vor Bierflaschen und Bulldozern nicht Bange sind.
Falschparker einfach mal lang machen
Das Litauische Vilnius kann ab sofort mit seinem innovativen und kreativen Bürgermeister Arturas Zuokas einen neuen Helden und Preisträger feiern. Denn seine Idee, die illegal abgestellten Fahrzeuge notorischer Falschparker mal eben zur Strafe und zur Abschreckung mit einem Panzer platt zu machen, sorgte bei dem Ig-Nobel-Preis-Komitee für fröhliche Furore. Wer solcherart von dem mutigen und zu allem entschlossenen Bürgermeister zusammengefaltet wurde, der überlegt es sich bei der nächsten Gelegenheit mindestens zweimal, ob er ein amtliches Parkverbotsschild frech missachten sollte. So viel aktive Rechtspflege war den Juroren mit gutem Grund einen Friedens-Ig-Nobel-Preis wert.
Das große Krabbeln endet an der Bierflasche
Den Ig-Nobel-Preis für Biologie holten sich heuer die Forscher "Down Under". Sie wurden damit für ihre bierernste Beobachtung belohnt, dass die Männchen einer bestimmten Käferart lieber die am Wegesrand sorglos entsorgten Bierflaschen beglücken mögen, als die eigenen frustrierten Käferfrauen. Scheinbar stellen die Bierflaschen für diese kurzsichtige Spezies einen derartigen Superreiz dar, dass ihnen die Tatsache, sich an einer unfruchtbaren Attrappe geschlechtlich zu verausgaben, völlig einerlei ist. Dumm nur, dass durch so viel fehlgeleiteten Lustgewinn die echten Käferinnen unbegattet bleiben, wodurch der Bestand dieser Krabbeltiere inzwischen ernsthaft gefährdet erscheint. Darüber sollte man auch mal nachdenken, wenn man in Australien beim Spazieren gehen ein Fosters aus der Flasche trinkt.
Es liegt was in der Luft
Wer schon mal durch zu viel Wasabi auf seinem Sushi einen reflektorischen Atemstillstand erlitten hat, der weiß, wie grausam grüner Meerrettich zubeißen kann. Diese unerbittliche Schärfe, die kein Gaumen und keine Nase ignorieren können, hat jetzt japanischen Tüftlern den Ig-Nobel-Preis für Chemie eingebracht. Denn sie haben es geschafft, diesen voll ätzenden Geruch in einen Feuermelder einzubauen, der dadurch selbst tief und fest schlafende Gehörlose sofort hellglockenwach und senkrecht im Bett stehen lässt. Eine echt scharfe Idee, die tatsächlich einmal Leben retten könnte.
Gefährlicher Harndrang
Was ist der Straßenverkehrstauglichkeit ebenso abträglich wie starker Schlafentzug oder leichte Trunkenheit am Steuer? Die Antwort auf diese Frage brachte einem amerikanischen Neurologen jetzt den Ig-Nobel-Preis für Medizin. Es ist - eine randvolle Blase. Wer nämlich so dringend Pipi muss, dass er kaum noch geradeaus gucken kann, dessen Aufmerksamkeits- und Konzentrationsleistung sackt gefährlich ab, und dessen Entscheidungsstärke wandelt sich in eine Blasenschwäche.
Das volle Programm der diesjährigen Preisträger kann im Scientificamerican-Blog nachgelesen werden.
-Carina Collany-

Oh Mann - wenn ich gewusst hätte, was man als Bürgermeister so alles darf, dann hätte das meine Berufswahl sicher beeinflusst. Wenn mal wieder wer meine Einfahrt zuparkt, werde ich sehnsüchtig an Vilnius und seinen neuen Preisträger denken ...
AntwortenLöschenDer Hammer! Ich roll mich ab :-P
AntwortenLöschenhttp://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,789372,00.html