Im Herbst fallen die Blätter. Das hat die Natur hier in unseren Breiten so gewollt. Die Bäume entlauben sich, vom Herbstwind freundlich unterstützt. In der freien Natur gefällt das dem Beschauer. Da ist schon so mancher Wald-Spaziergänger zutiefst besinnlich geworden. Kein Wunder: Lädt doch dies schöne Stimmungsbild Denker und Gedanken zum meditativen Verweilen ein.
In der Stadt dagegen ruft das alljährlich wiederkehrende Schauspiel zu Boden taumelnden Laubs eine höchst widerwärtige Spezies auf den Plan: die Herbst-Terroristen. Man erkennt das antisoziale sadistische Pack sofort an dem typischen Terror-Gerät, das auf dem Rücken oder unter dem Arm mitgeführt wird. Dieses Gerät macht einen Ekel erregenden durchdringenden Höllenkrach und furzt dazu Kubikmeterweise stinkende Abgase in die wehrlose Herbstluft. Aber damit nicht genug. Vorne wird ein kräftiger Luftstoß in Richtung Boden gelenkt, damit das dort zu liegen gekommene Laub wieder in der Luft tanzen muss. Die Terror-Brigaden rücken bevorzugt in den ganz frühen Morgenstunden oder um die Zeit der Mittagsruhe an. Hauptsache, jedermann wird dadurch maximal belästigt. Der ohrenbetäubende Dauer-Lärm macht in kürzester Zeit hochgradig aggressiv. Die Blähungen überdrehter Zwergmotoren lassen selbst schwerhörige Zeitgenossen naserümpfend die Fenster schließen. Das unfreiwillig animierte Laub wird stundenlang genau dort zu hohen Haufen zusammengetrieben, wo es am meisten stört. Vor Parkplätzen, vor Einfahrten, auf Bürgersteigen, an Haltestellen und Fahrradwegen. Oder wo sonst noch die Möglichkeit bestehen könnte, dass Passanten dort vorbei wollen oder müssen. Wenn die Terroristen nach einer nicht enden wollenden Zeit der Tortur endlich abziehen, hinterlassen sie ganze Ortsteile im Zustand der kollektiven Entnervung. Und mit lauter optimal verkehrsbehindernden Blatthaufen. Natürlich bleiben diese artifiziellen Konvolute nicht lange liegen. Der Herbstwind sorgt schon bald dafür, dass im Laufe des restlichen Tages alles wieder der Chaostheorie folgt, oder den Strömungs-Gesetzen entspricht. Das ist natürlich die Absicht des niederträchtigen Gesindels. Diese perfiden Quälgeister wollen ja auch morgen wieder einen Grund dafür haben, Anwohner und Anlieger bis aufs Blut zu quälen. Und übermorgen auch wieder. Und den Tag danach. Es hat schon seinen tieferen Sinn, warum im Anschluss an diese schwachsinnige Aktion niemand nachkommt, um die Blatthaufen rasch einzusacken und für den Abtransport wegzusperren.
Alle Welt beklagt Abgas-Emissionen, Rohstoff-Vergeudung und Lärmbelästigung. Warum darf es dann sein, dass Geräte gebaut und zigtausendfach in Umlauf gebracht werden, die allein diese durchweg schädlichen Ziele verfolgen? Diese Folterinstrumente gasen großvolumig ab, verschwenden Unmengen von Treibstoff, und machen einen Krach, der friedliebende Menschen zu Mördern werden lassen kann. Nur eines können diese total beschissenen Fehlkonstruktionen nicht: Das Laub wegzaubern.
Eines Tages wird sich die gequälte Menschenmasse erheben und gerechte Lynchjustiz an den Herbst-Terroristen ausüben. Und wer das überlebt, wird sich vielleicht demütig des guten alten Rechens erinnern. Energiesparend, effizient - und absolut extraterroristisch.
- Carina Collany -
Wahre Worte gelassen ausgesprochen. Da, wo ich wohne, bin ich sogar doppelt gekniffen. Da kommen nämlich die städtischen Terrorbläser und meine bescheuerten Nachbarn jeden Tag auf die Straße. Es ist nicht zum Aushalten.
AntwortenLöschenGanz ehrlich - wie oft habe ich diesen Psychopathen allesamt schon die Pest an den Hals gewünscht.
Laubbläser gehören ausnahmslos verboten. Punkt.
Hallo in die lärmgeplagte Runde,
AntwortenLöschenes gibt noch eine weitere akustische Seuche, die nicht minder schlimm, weil jahreszeitenunabhängig ist: Die Schrottsammeldudler. Wenn ich Pech habe, kommt hier fast im 10 Minuten Takt ein anderer Dudelfritze um die Ecke und peinigt meine Ohren mit seinen schiefen Kakofonien. Besonders schlimm ist es, wenn man in dieser akustischen Luftverschmutzung noch die Überreste bekannter Melodien durchklingen hört.
Lärm macht krank. Das macht denen aber nichts aus. Echt schlimm.