Montag, 12. September 2011

BEISPIEL-BLOGTEXT: Energieverbrauchskennzeichenverordnung "Made in Schilda"


Seit einiger Zeit kursiert das Gerücht, dass die legendären Schildbürger dem derzeit amtierenden Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler das Amt des Ehrenbürgermeisters angetragen haben. An diesem Gemunkel könnte durchaus etwas dran sein - hat doch dieser stets so jungdynamisch daherfedernde Nachwuchspolitiker mit seiner "Energieverbrauchskennzeichenverordnung" etwas vorgelegt, worüber sich inzwischen nicht nur die wackeren Bürger von Schilda kaputtlachen. Und auch der kleine Mann und die kleine Frau von der Straße werden ab dem Herbst dieses Jahres jede Menge Gelegenheit haben, sich im Autohaus ihrer Wahl erst zu wundern, um sich dann vor Lachen zu winden. Dazu wird ein intelligenter Blick auf ein kleines buntes Zettelchen genügen, dass dem Neuwagen per Gesetzesdekret künftig am Heck klebt. In diesem Sinne: Start frei für den Öko-Rohrkrepierer des Jahres. 


Eine als Klimaschutz verkleidete Torheit

Wer in letzter Zeit im Fachhandel als interessierter Kunde nach "weißer Ware", also nach Kühl- oder Gefrierschränken oder Waschmaschinen, Ausschau gehalten hat, oder wer sich einen neuen Satz Energiesparleuchten zulegen wollte, der kennt sie schon: Die ampelfarbigen Aufkleber oder Packungsaufdrucke, die Auskunft darüber geben sollen, wie umweltfreundlich und Klima schonend das ins kritische Auge gefasste Produkt ist. Daran ist zunächst auch gar nichts auszusetzen; schließlich will man als preisbewusster und ökophiler Kunde ja wissen, wie viel sündhaft teuren Strom das neue Gerät verbrauchen wird, und wie viel Leistung man im Gegenzug dafür erhält. So eine konkrete Angabe würde man sich wohl auch für ein neues Auto wünschen. So sah das auch Schildas neuer Ehrenbürgermeister Rösler und brachte ein entsprechendes Ansinnen auf den Weg. Dumm nur, dass er dabei ganz besonders schlau sein wollte. Denn aus Gründen, die wahrscheinlich noch nicht mal der Geier weiß, wird bei der Energieverbrauchskennzeichenverordnung für Autos der CO2-Ausstoß auf das Fahrzeuggewicht umgelegt. Das bedeutet, dass kleine leichte PKW neben Stadtpanzern und PS-Protzern grundsätzlich alt aussehen. Dazu an dieser Stelle ein Beispiel, bei dem nicht nur der Zalando-Paketbote am liebsten laut losschreien würde. Wenn auch nicht gerade vor Glück.

Smart gepanzert

Ein Smart ist so klein und leicht, dass er sich auch schon mal den Spitznamen "Elefantenrollschuh" gefallen lassen muss. Sparsam im Verbrauch, günstig in den absoluten CO2-Werten - so kennen und schätzen Smart-Enthusiasten ihren Kleinstwagen. Doch weil der Straßenfloh kaum Gewicht auf die Räder bringt, landet er nach der Logik von Adam Riese Rösler weit abgeschlagen in der Effizienzklasse E. Dort befindet er sich auf exakt derselben Öko-Bewertungsstufe wie der deutsche Kampfpanzer "Leopard II". Der hat zwar 1500 Pferdestärken unter dem Geschützturm und donnert fette 5900 Gramm CO2 pro gefahrenen Kilometer in die Luft - aber dafür wiegt er eben auch 60 Tonnen. Und für dieses stattliche Kampfgewicht, so zumindest die mental eher schlichte Logik Röslers, sind knapp sechs Kilo CO2 doch gar nicht mal so schlecht. Jedenfalls in der Relation auch nicht schlechter als bei einem Smart.

Lieber Herr Minister Rösler! Wenn Sie der Umwelt wirklich einen Dienst hätten erweisen wollen, dann wäre es schlau gewesen, Autos ausschließlich nach ihrem absoluten CO2-Ausstoß zu bewerten. Ihre "relative" Rechenart legt dagegen den Schluss nahe, dass Sie insgeheim ganz anderen Instanzen eine Wohltat erweisen wollten.

1 Kommentare:

  1. Es ist wirklich kaum zu glauben *hirnbatsch*

    Näheres zum Röslerschen Wahnsinn liest man hier:

    Hajo Stotz: Editorial: Panzer mit Öko-Label

    http://www.scope-online.de/Meinung/Editorial---None.htm

    In welchem lobbysierten Absurdistan leben wir eigentlich?

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