Dienstag, 27. September 2011

BEISPIEL-BLOGTEXT: Die "Ausläufer" psychischer Erkrankungen


Alle psychischen Störungen und Verhaltensstörungen, die in der 10. Revision der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD-10) unter den Ordnungsnummern F00 bis F99 in Kapitel V zu finden sind, berühren das Leben derer, die an und unter ihnen leiden, in vielfältigster Weise. Denn es ist ja nicht nur die eng umrissene seelische Störung als solche, die ein bestimmtes Leiden schafft. Es ist immer auch der im holistischen Ansatz als Ganzes zu betrachtende Patient, der in seinem "so sein" und in seinem "da sein" als Mensch in seiner Umwelt und in seiner Umgebung agiert oder reagiert. Und in dieser individuellen Vernetzung des Erkrankten mit seinem sozialen, gesellschaftlichen und kulturellen Umfeld liegt jede Menge Zündstoff, die erkannt und entschärft werden muss, damit sich nachhaltige Therapieerfolge oder zumindest spürbare Erleichterungen einstellen können. Auf allen Seiten und an allen Fronten. 

Der Körper

Viele psychische Erkrankungen ziehen nicht nur den Verstand und das Gemüt, sondern auch den Körper stark in Mitleidenschaft. Am augenfälligsten wird das wahrscheinlich bei dem lang überdauernden Missbrauch psychotroper Substanzen, der in eine Drogenpsychose übergehen kann. Da sieht der Kliniker beispielsweise lebensgefährlich abgemagerte Junkies, Alkoholiker mit schweren Schäden an Hirn, Leber und Bauchspeicheldrüse oder Patienten, die von ihren fehlgeschlagenen Suizidversuchen irreparable körperliche Beeinträchtigungen zurückbehalten. Grundsätzlich ist so gut wie jede psychische Erkrankung dazu geeignet, nicht nur die Seele, sonder auch den Leib zu lädieren.


Der Partner

Als Gefährte eines psychisch erkrankten Menschen erlebt man alle nur erdenklichen Höhen und Tiefen hautnah mit. Das stellt für den Partner zum einen eine enorme seelische Belastung dar, und zum anderen auch eine sehr permanente Gefahr. Denn wer beispielsweise mit einem an Schizophrenie erkrankten Menschen oder mit einem Alkoholiker zusammenlebt, muss grundsätzlich damit rechnen, tätlich angegriffen und an Leib und Leben massiv bedroht zu werden. Mit dieser Perspektive kommen viele Partner nicht klar, und verlassen den Erkrankten. So verständlich und so unvermeidlich dies auch im Einzelfall sein mag - die soziale Situation des Erkrankten ändert sich dadurch natürlich ganz dramatisch.

Das soziale Umfeld

Viele "Freunde" gehen sehr schnell und sehr radikal auf Abstand, wenn sich ein Mensch als psychisch Erkrankter "outet". Wer will schon etwas mit einem unberechenbaren Spinner zu tun haben, der womöglich noch ganz plötzlich komplett ausrastet, und dann zum Äußersten fähig werden könnte? Diese Haltung ist vielleicht nicht besonders ehrenhaft, aber dennoch sofort bestens nachvollziehbar. So gerät der psychisch Erkrankte zunehmend in eine soziale Isolierung und muss mit ständig wachsender Kontaktarmut klarkommen. Für ein sozial lebendes Wesen wie den Menschen auch nicht gerade die beste Voraussetzung zur geistigen Genesung.

Die Gesellschaft

Psychische Erkrankungen haben in unserem Kulturkreis etwas nachhaltig Stigmatisierendes. Selbst dann, wenn eine Therapie ganz offensichtlich von Erfolg gekrönt war, wird der seelisch gesundete Mensch von seinem Umfeld immer noch mit Argwohn und Misstrauen betrachtet. Das kann dazu führen, dass weder die Suche nach Arbeit noch nach einem neuen Partner oder einem neuen Freundeskreis klappt. Die Wahrscheinlichkeit, unter diesen deprimierenden Umständen ein Rezidiv zu erleben, ist hoch.

Fazit


Der ganzheitliche Ansatz ist vielleicht in keinem Bereich der Medizin so unverzichtbar wie in der Psychiatrie.
-Carina Collany-

1 Kommentare:

  1. Ein heißes Eisen - vor allem auch für die Angehörigen. Ich kann aus eigener Erfahrung nur dringend dazu raten, sich beizeiten einer zuverlässigen Selbsthilfegruppe anzuschließen. Denn alleine packt das niemand.

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