Der mündige und volljährige Bürger sollte eigentlich selbst entscheiden können, welche Filme er sich in der privaten Abgeschiedenheit seines eigenen Heimkinos unter Ausschluss der Öffentlichkeit ansehen möchte. Doch so viel unverschämt freie Selbstbestimmung möchten die deutschen Kontrollorgane nicht gewähren. Darum erhebt jene Zensurbehörde, die den verharmlosenden Namen "Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft" (FSK) trägt, vor jedem neuen Kino- oder Fernsehfilm ihr drohendes Haupt. Und wehe, es würden bei der hochnotpeinlichen Sichtung des Filmmaterials Szenen des Anstoßes gefunden, die den cineastisch meist eher schlicht belichteten Kontrollettis nicht behagen. Dann wird der Film entweder gnadenlos kastriert, oder sofort auf den Index gesetzt. So oder so - das Werk der Filmschaffenden wird dadurch erheblich entstellt, und der potenzielle Zuschauer wird mit moralinsauer erhobenem Zeigefinger zurück in seinen mentalen Laufstall geschubst. Muss man sich das eigentlich als erwachsener Kinoliebhaber der etwas härteren Gangart gefallen lassen? Nein. Das muss man nicht.
Wozu überhaupt FSK?
Die Logik hinter der jetzt nicht so wirklich freiwilligen Selbstkontrolle liegt in der Auffassung begründet, dass Filmsequenzen, die mit Gewalt und mit Sexualität offensiv umgehen, das psychische und sonstige Wohl von zarten Kinderseelen aufs Spiel setzen würden. Ob man diese Auffassung teilt, ist in Anbetracht der heute jederzeit frei verfügbaren Informationen über schmutzige Details jeder Art zumindest Ansichtssache. Tatsächlich spielt es aber überhaupt keine Rolle, ob sensible Kindlein am wie auch immer inszenierten Hardcore Schaden nehmen könnten - solange bei der Filmvorführung keinerlei Kinder anwesend sind. Dies verlässlich zu gewährleisten liegt nach wie vor in der zwingend notwendigen Verantwortung des Menschen, der sich einen "krassen Streifen" reinziehen will. Denn was nützt die ganze FSK mit ihren amtlich ampelfarbigen Ge- und Verbotkennzeichnungen, wenn der Filmvorführer dann doch nicht nach dem Alter seiner Zuschauer fragt?
Gewalt ist nicht gleich Gewalt
Natürlich gibt es brutale und blutige Filmszenen, die einen reinen sadistisch gefärbten Voyeurismus bedienen. Allerdings ist Gewalt im Film oft auch ein unverzichtbares Stilmittel und eine dramaturgische Notwendigkeit. Viele hochwertige und wertvolle Filme könnten ihre gesellschaftliche, soziale oder politische Aussage ohne heftige Szenen nicht wirksam transportieren. Leider fehlen den Scharfrichtern der FSK oft das Gespür und die Einsicht dazu, zwischen Gewalt um der Gewalt willen, und Gewalt als notwendigem dramaturgischem Element klar zu unterscheiden. Und so passiert es dann beispielsweise, dass augenfällig absolut überdrehte und zum Brüllen komische Splatter-Parodien eiskalt auf dem Index landen.
Hallo Nachbar!
In Österreich traut man seinen Staatsbürgern in Sachen cineastischer Selbstbestimmung deutlich mehr zu. Wer sich hier einen deftigen Knaller oder einfach nur einen "Director's Cut" ins kinderfreie Heimkino holen will, der muss dazu nicht erst einen verknöcherten Zensor um Erlaubnis bitten. Und genau darin liegt auch die offene Chance für den gegängelten Deutschen, der sich ab und dann mal einen ungeschnittenen Kinogenuss gönnen will. In Österreich firmiert nämlich ein Filmversand, der jeden Geschmack auch und gerade "ab 18" vorurteilsfrei und wertneutral bedient. Hier ist der Name "Uncut" Programm. Egal, worauf man steht.
Fazit
Gewalt darf natürlich nie frei flottierend verherrlicht werden. Doch wenn mit fadenscheinigen Gutmenschenargumenten künstlerischer Ausdruck rücksichtslos zensiert wird, sollte gerade in Deutschland ein berechtigter Aufschrei zu hören sein.
-Carina Collany-

Uncut rulz ;-)
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